Infos zur Pferdefütterung

Nach neueren Untersuchungen lassen sich die Pferdebesitzer in sehr hohem Umfang von äusseren Einflüssen leiten, wenn es um die Pferdefütterung geht. Die Einschätzung im Markt geht so weit, dass davon ausgegangen wird, dass über 80 % der Einkäufe durch den Pferdebesitzer von Emotionen geleitet werden und nicht den ernährungsphysiologischen Anforderungen entsprechen. Daher sollen auf diesem Wege sachliche Informationen zur Fütterung und Ernährung der Pferde zur Verfügung gestellt werden.

Stichwort: H A F E R
Trotz heftiger Diskussion gilt Hafer nach wie vor als das traditionelle Kraftfutter für Pferde, denn es enthält wichtige Proteine, sowie Calcium und Phosphor damit die Pferde gut versorgt werden. Fakt ist auch, dass heute immer noch ein Drittel aller Pferde bzw. aller Rassen Hafer als Kraftfuttergabe erhalten.

Hafer hat bei Pferden eine sehr hohe geschmackliche Akzeptanz, wenn er korrekt gelagert wurde und nicht muffig riecht. Dabei ist er leicht zu kauen, im Gegensatz zu anderen Getreidearten. In gequetschter Form, dann frisch verfüttert, ist er selbst für ältere Pferde gut zu verdauen, auch wenn die Zähne nicht mehr in perfektem Zustand sein sollten.

Ganzer Hafer muss kühl (möglichst unter 15 °C), trocken und dunkel gelagert werden. Je besser die Lagerbedingungen sind, um so länger kann er gelagert werden. Gequetschter Hafer sollte innerhalb von zwei Wochen verfüttert werden. Durch das Quetschen gelangt sonst zuviel Sauerstoff an den Mehlkörper im Inneren und lässt es oxidieren (=> ranziger Geschmack). Lagerung von Hafer unter einem heissen Hallendach (zu warm) oder auf Betonfussboden (Schwitzwasser) ist ein „No go“

Wissen – kompakt:
– 1 kg Hafer hat ca. 11 – 12 MJ verdauliche Energie
– Diese Energie reicht bei einem Grosspferd für 150 min Schrittarbeit
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Fachwissen:
Der Stärkeanteil im Hafer liegt zwischen 43 und 61 %, im mittel bei 53 %. Die Stärke aus dem Haferkorn wird von den Pferden im Dünndarm verdaut, ohne in den Dickdarm zu gelangen und dort die pH – Balance zu stören. Dadurch gilt der Hafer als ein „sicheres“ Kraftfutter.

Der Hauptanteil des Proteins befindet sich im Kern. Der Proteingehalt schwankt zwischen 11 und 24 % und stellt somit eine gute Proteinquelle für ausgewachsene Pferde dar. Lediglich der Gehalt an Lysin (eine der wichtigen Aminosäuren) liegt niedriger als bei anderen Futterkomponenten. Das ist der Grund, warum Hafer allein in den ersten beiden Wachstumsjahren als Ergänzung zu Heu und Stroh nicht ausreicht, da der Lysinanteil für das Wachstum den Bedarf nicht deckt.

Rund 30 – 35 % vom Haferkorn wiegt die Schale, die sogenannten Spelzen. Mit ihren geringen Energiewerten und geringen nutriven Gehalten werden sie vielfach den Fertigfuttern wie Pellets beigemischt. Aber: die Pferde benötigen auch einen Anteil von nicht verdaulichen Pflanzenbestandteilen, um die Darmmobilität aufrecht zu erhalten.

Öfter gibt es Aufregung darüber, wenn Spelzen im Pferdeapfel zu sehen sind und die Pferdebesitzer glauben, eine ungenügende Verdauung ihres Pferdes festzustellen. Genauere Untersuchungen zeigen jedoch in den meisten Fällen, dass die Spelzen leer sind und der Kernteil verdaut wurde.

Manche Pferdebesitzer mit Leistungspferden glauben immer noch an „Leistungssteigerung“, wenn täglich bis zu einem Kilogramm Hafer je 100 kg Körpermasse (KM) gefüttert wird. Sie misstrauen den industriellen Fertigfuttern mit einem angereicherten Mineralfutter. Gegen eine Handvoll Hafer – ab und zu – für Freizeitpferde ist nichts einzuwenden. Aber die einzelne Kraftfutterration sollte 0,2 kg / 100 kg KM nicht übersteigen. Als gesamte Tagesration werden heute 0,5 kg / 100 kg KM als sinnvoll angesehen. Dabei sollte die Ration, basierend auf Heu und Stroh, durch ein Mineralfutter in jedem Fall ergänzt werden.

Wissen – kompakt:
– Der Proteingehalt schwankt zwischen 11 und 24 %
– Der Stärkeanteil beträgt ca. 53 %, die Haferstärke wird im Dünndarm verdaut
– Ein Freizeitpferd (ca. 500 kg KM) benötigt maximal 1,0 kg Hafer pro Tag
– Ein Sportpferd mit 500 kg KM benötigt maximal 2,5 kg Hafer (LK M und S)
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Hinweise zur Rationsberechnung und -beratung erhalten Sie bei uns und den bei uns ausgebildeten Neutralen Futterberatern



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